Beelitzer Elegie - Erik Stuart

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Beelitzer Elegie

Beelitzer Elegie

Anmut gleich und voll Entzücken
Nahm ich die neue Heimat in mir auf;
Vielen Städten kehrte ich den Rücken
Denn in keiner war ich je zu Haus.
Der Drang sich unentwegt zu verändern,
Zwang mich nach hier und dort zu schlendern.


Zuvor wurde mir ein Traum so war,
Der für mich schien in weiter Ferne;
Das ich sie noch einmal wiedersah;
So leuchtend schön im Schein der Sterne.
Nie wirst Du einen Menschen vergessen,
Der ein Zimmer in deinem Herzen hat besessen.


Zweifelnd an mir, wider dem Verstand,
Glaubt ich doch: diese Liebe sei erloschen,
Ihr Anblick reichte und sie war neu entflammt,
Als ward mein Herz nie vor ihr verschlossen.
So ist es dem Schicksal nicht zu ergründen,
Warum es lässt zwei Menschen sich wiederfinden.


Dem ersten Scheitern fehlte jenes Wissen,
Weshalb die Liebe so unverhofft brach entzwei,
Zwei liebend Herzen plötzlich auseinander gerissen,
Ein grundlos Fortgehen, ein Aus und Vorbei!
Auch wenn ich lernte, sie nicht mehr zu lieben,
Ist ein „Warum“ tief im Innern mir geblieben.


Einem Sturmwind gleich erbrach ich mich
In Gefühlen, die ich schon einmal so erlebt,
Als wäre die Zeit nie vergangen und hinderlich,
Mit liebend Augen zur Königin ich sie erhebt.
Doch spielt das Schicksal stets sein eigenes Spiel;
Als die Vernunft an der Front der alten Liebe fiel!


Der Liebe Blindheit hielt mich nun gefangen,
Spürte und hörte nur noch auf mein eigen Gefühl,
Denn es ist mir dadurch vollends wohl entgangen,
Dass es ja nur ein Herz ist, was noch so fühlt.
Auf dem Schlachtfeld dieser alten neuen Liebe,
Kämpfte ich unfair nur um meiner Willen Triebe!


Hab ich die Signale falsch verstanden,
Die ich glaubte von ihr zu empfangen?
Knüpften wir nicht wieder jene alten Banden,
In Gesprächen, bei denen Stunden sind vergangen?
Doch scheint es, dass man Signale, die man versendet
Dem Empfänger oft mit dem Gefühl der Liebe blendet!


Warum nur, frag ich, lässt das Leben mich
Eine alte Liebe neu entdecken?
Will es mich noch einmal narren richtig hart,
Will es mich noch einmal mit Gefühlen necken?
Musste wirklich so viel Zeit vergehen,
Um sie in ihrer Schönheit wieder zu sehen?


Zog trotzdem blühend liebend in den Kampf,
Im Glauben sie sei derzeit keinem Anderen verbunden,
Mit Schrift und Wort im überschwänglichen Werbetanz,
Habe ich die Lieder der Hoffnung und Erfüllung gesungen.
So ist es doch recht um etwas zu kämpfen,
Das gelegt zum zweiten Male hält in den Händen!


Hoffnungen sterben meistens mit der Ehrlichkeit,
Und bitter die Erkenntnis im Geschmack der Wahrheit.
Sie ergab sich erst durch den Druck meiner Beharrlichkeit,
Ihr den Zwang aufgelegt, nun zu sorgen für die Klarheit.
Doch stellt sich die  Frage klagend und hart:
Warum die Wahrheit solange vorenthalten ward?


Oft ist es schwerlich und kaum zu verstehen,
Wie im Leben sich Menschen oft entscheiden.
Doch wird von meinen Lippen nie ein Urteil ergehen,
So unverständlich ihr Handel, so groß auch noch mein Leiden.
Was immer auch ihre Gründe sind, an deren mein Werben gescheitert,
Mein Herz gab sich keiner Trauer hin, es hat sich vielmehr verbreitert.


War ich doch einmal der Mensch, den sie gebraucht,
Wenn unnütz gefühlt sie sich in mancher bewegten Zeit.
Kann Freundschaft nicht brechen auch wenn die Liebe verraucht,
In Erinnerung an jenes, was wir erlebten zu zweit.
Wenn Liebe auseinanderbricht, bleiben nicht nur Scherben,
Das Schöne, jedoch Trauer nicht, sollst dem Herz vererben!


Inmitten dieser wunderbaren Zeit,
Als ich sie neu gefunden,
Trat das Schicksal erneut mich breitseit,
Hat einen lieben Menschen mir genommen.
Traf mich der Zeitpunkt doch so unbestimmt, auch wenn
Die Erlösung seiner Leiden, der Trauer volle Härte nimmt.


Der letzten Heimat noch nicht ganz entflohen,
Der neuen getrennt nur noch wenige Zeit,
In kurzer Zeit zweimal an Lieb verloren,
Kein Glück zu sehen weit und breit.
Erbat des Himmels seligen, großen Segen,
Trauer den Toten und des Lebens wegen.


So wurde mir erneut im Schmerz bewusst,
Wie endlich doch unserer aller Leben.
Es quält uns so oft mit dem Verlust,
Hat uns aber doch so viel zu geben.
In der Erde großen Schoß, begraben wir die Lieben,
Sie nicht zu vergessen ist der Trost, für uns die wir verblieben.


So halte ich fest an dem was mir ist geblieben,
In die neue Heimat nahm ich diese Erkenntnis mit.
Der Arbeit bleibt die Zeit fürs Leben vorangetrieben,
Nur so wird sich finden auch das Glück.
Mag jener mich auch dafür belächeln, Naivität meist unterstellt,
Sehe die Welt nicht mit rosa Augen, mach sie so wie es mir gefällt.


Hier in diesen neuen, schönen Breiten,
Die nach kurzer Zeit ich so lieb gewann,
Mindert sich die Trauer in allen Herzens Weiten,
Ist Trübsal und Müßiggang schnell gebannt.
Denn in den Wäldern dieser schönen Stadt,
Der Seele Heilung hier schnell begonnen hat.


Wir nehmen uns doch viel zu wichtig,
Entwickeln daraus Gewalt und Zorn,
Doch gibt es Menschen, denen dies ist nichtig,
Weil sie jeden weiteren Tag noch erleben wollen.
So frage dich doch öfters mal im Leben,
Wie viel hast du genommen, wie viel hast du gegeben?


Jetzt sind mir viele Menschen wichtig,
Es sind jene, die noch sind ganz klein.
Die Begegnung mit dem Tod hat vieles umgewichtet,
Im Willen für diese so oft es geht da zu sein.
Erlebe fortan jeden Tag im Gedanken daran,
Das ihn nicht jeder mehr heut erleben kann.


Doch bleibt sie weiter in meinem Herz,
Warum sollte ich sie daraus verbannen?
Doch stellt sich die Frage wohl eher im Scherz,
Wie es aussehe, wenn es mit uns gut gegangen?
Aber kennen wir doch die Regeln nicht, im großen Spiel des Lebens,
In uns lebt die Erkenntnis so recht, es kann alles und nichts geschehen.

© Erik Stuart 2013/2014


 
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